„Beben“ im Theater

Wie ist der Zustand unserer Welt?
Die Autorin Maria Milisavljevic versucht, diese Frage mit ihrem Theaterstück „Beben" zu beantworten. Wir, die Klasse 10/4, sahen es im Berliner Theater „Parkaue" am Abend des 11. Oktober 2017 zusammen mit Frau Kluge an. Der Name des Stückes erschien uns etwas rätselhaft, deshalb wussten wir nicht genau, was wir zu erwarten haben, waren aber sehr gespannt darauf.
Das Geschehen auf der Bühne war etwas ungewöhnlich: Eine Mutter beobachtet aus ihrem Fenster das Geschehen auf der Straße. Sie sieht vor allem sich hektisch bewegende Menschen und Gewalt. Sie ist erschrocken darüber, denn in ihrem Leben hat sie eine andere Art von Gewalt kennengelernt, nämlich Krieg.
Jetzt sucht sie Ruhe, Frieden und Versöhnung. Das sieht sie aber auf der Straße nicht. Die Mutter fragt sich, wo für die Menschen Ruhepunkte und Orientierung existieren. Die handelnden Personen auf der Bühne sind nicht nur die Mutter und andere, sondern alle werden von dem Geschehen angesprochen. Die Autorin beantwortet die Frage nach den handelnden Personen so: „Wir. Wer immer und wie viele wir sind.". Man sieht bekannte Alltagsszenen, die zum Nachdenken anregen: Kinder und Erwachsene ziehen sich hinter ihre Smartphones zurück, rufen dort Informationen ab und sind gefangen von Spielen. Wir leben nun in einem digitalen Zeitalter. Es bringt viele Vorteile, aber auch Nachteile und große Gefahren.
Sehen wir zu, wie die Mutter, oder tun wir etwas gegen die zunehmende Verrohung unserer Welt? Es scheint so, als wären Krieg und Gewalt etwas Normales und der Frieden ein Geschenk, das man dankbar annimmt, aber nichts dafür tun muss. Wenn das so wäre, würde die Welt auf eine Apokalypse zusteuern. Das aber darf nicht sein. Aus dem Grunde bietet die Autorin eine bessere Antwort an. Sie schlägt vor, dass die Liebe das dominierende Mittel im gesellschaftlichen Miteinander sein soll.
Unter Liebe versteht die Autorin nicht nur das intime Verhältnis zwischen zwei Menschen, sondern sie fasst es viel weiter. Im weiteren Sinne versteht sie darunter das freundliche Nebeneinander von Menschen verschiedener Hautfarbe, unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen. Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man einander zuhört, die Probleme des anderen verstehen möchte und Lösungen anbietet. Wenig hilfreich ist es, wenn die Welt in Gut und Böse aufgeteilt wird. Diese Polarisierung führt zur Verschärfung von Konflikten, nicht zur ihrer Lösung.
Eine weitere Frage ergibt sich: Wohin steuert unsere Welt? Im Moment ist ihr Zustand nicht besonders gut. Sollen wir passiv zusehen, wie sie sich möglicherweise zu einer digitalen Diktatur entwickelt? Die Technik soll dem Menschen dienen und nicht zu seinen Nachteil werden.
Ich war überrascht von dem, was ich gesehen und gehört habe, vor allem aber kommen mir erst jetzt so viele Fragen in den Kopf, über die ich bisher nicht nachgedacht habe. Es ist gut, dass es dieses Stück gibt. Es ist gut, dass wir es sehen konnten. Maria Milisavljevic wurde mit Preisen ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Preis des Heidelberger Stückemarktes 2016.

 

Alexander Schelhorn, 10/4

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