Forschen für die Zukunft? – Los geht´s!

Benutze wiederverwendbare Taschen anstatt Plastiktüten! - Isst du etwa schon wieder Fleisch? - Ich habe doch gesagt, du sollst das Licht ausmachen, wenn du den Raum verlässt! - Also, ich fahre jetzt immer mit der Bahn anstatt dem Auto, und du? - Denk doch mal an den Klimawandel!!

So oder so ähnlich hört man es derzeit von überall rufen. Das Thema Klimawandel ist mittlerweile allgegenwärtig und wird im Unterricht, zu Hause am Abendbrottisch oder in den Nachrichten besprochen. Trotz dessen wird meist nur an der Oberfläche dieses riesen Themenkomplexes geschürft und vieles bleibt außen vor. Aus diesem Grund entschloss ich mich, Lena Marie Schulz (12/2), an einer Schülerakademie teilzunehmen, in der ich mich genau mit diesem, mir wichtigen, Thema auseinandersetzte. Wir betrachteten dabei so viele verschiedene Aspekte des Klimaproblems, dass ich sie selbst gar nicht mehr alle benennen könnte.

Mit „wir“ meine ich mich und die weiteren 19 Jugendlichen im Alter von 15-19 Jahren, die genauso enthusiastisch dem Forschen und Lernen entgegenblickten wie ich. Wir alle entschlossen uns im Herbst 2018 die Bewerbung für die 2°Campus Schülerakademie 2019 auszufüllen und abzuschicken, worauf drei Monate voller Bangen und Hoffen folgten, ein Teil der Gruppe zu sein. Auf die erlösende Nachricht der Annahme folgten nun drei Blöcke über das Jahr verteilt, bei denen alle zusammenkamen und die Forschungsvorhaben umgesetzt wurden.

Beim ersten Treffen in den Frühjahrsferien wurden vor allem Freundschaften geschlossen, während wir alle Informationen der Vorträge, Exkursionen und Diskussionen begierig aufnahmen. Sehr beeindruckend war der Besuch des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Abgesehen von hoch interessanten Vorträgen, konnten wir uns dort in die Polarforschung einfühlen, indem wir echte Bodenproben aus Sibirien und Exkursionsequipment testen durften. So etwas vergisst man nicht so schnell! Doch abgesehen von all den spannenden Aktionen, wurde auch unsere eigene Forschung vorbereitet. Wir teilten uns in vier Gruppen ein, um dann jeweils mit Hilfe wissenschaftlicher Mentoren ein Forschungsziel zu erarbeiten. Ich selbst war in der Gruppe Energie, wobei auch die Gruppen Ernährung, Wohnen und Mobilität zur Auswahl standen.

Im Sommer gab es das große Wiedersehen zum zweiten Block, doch wir trafen uns nicht wie üblich in Wannsee, sondern an den Partneruniversitäten, an denen wir unsere Forschungen durchführten. Ich persönlich arbeitete mit meiner Energie-Gruppe in der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo wir eine Woche lang untersuchten, wie die Effizienz einer speziellen Kleinwindkraftanlage gesteigert werden kann. Der sogenannte Nautilus-Rotor könnte dazu beitragen, die Gewinnung der Windenergie zu dezentralisieren und auf jedem Haus eine Kleinwindkraftanlage zur Eigenversorgung anzubringen. Wenn ihr die Nachrichten verfolgt, wisst ihr sicherlich, dass der Ausbau der Windenergiegewinnung momentan sehr problematisch ist und heiß diskutiert wird. Somit konnte ich an diesem Problem forschen und sehr viel Neues lernen, beispielsweise auch über die anderen Forschungsfelder der Universität. Im Anschluss verpackten wir unsere Ergebnisse in Power Points, die übrigens jederzeit im Internet zugänglich sind.

Der letzte Block im Herbst war noch einmal sehr aufregend, als wir mit dem Glasunternehmen Heinz Glas im Gespräch waren. Es wurde viel über nachhaltige Unternehmensführung und deren Herausforderungen diskutiert, sogar die Geschäftsführer nahmen sich Zeit für uns. Das Highlight war aber eine Führung durch den gesamten Herstellungsprozess der Glas-Flakons und Tiegel, bei der wir mit über 40°C Raumtemperatur ganz schön ins Schwitzen kamen!

Bei all der Forschung und Wissenschaft verbrachte das ganze Team noch ca. zwei Tage im Wald, um unsere Naturverbindung zu stärken. Denn letztendlich ist die Natur, die uns umgibt, genau das, wofür es sich lohnt zu forschen, sich den Kopf zu zerbrechen und an sich selbst zu arbeiten. Sie ist unser zu Hause, egal, wie weit wir uns schon von ihr entfernt haben mögen. Sie ist unsere Lebensgrundlage, egal, wie industriell und modern unsere Gesellschaft sich entwickeln wird. Sie ist extrem fragil und fast am Ende ihrer Kräfte angelangt, egal, wie intensiv wir versuchen, diese Tatsache zu verdrängen. Dieses Wissen ist kein Geheimnis, es ist eigentlich allgegenwärtig in den Köpfen der Menschen vorhanden. Kommt es allerdings zur Umsetzung der notwendigen Schritte, wie das Benutzen von wiederverwendbaren Taschen, das Reduzieren des Fleischkonsums, das Energiesparen und Nutzen des ÖPNVs, finden viele Menschen schnell Ausreden.

Aus diesem Grund war und ist es mir wichtig, mich aktiv für den Klimaschutz zu engagieren. Ich wollte nicht nur immer davon reden, ich wollte handeln! Da war die Schülerakademie 2°Campus genau das Richtige. Ich bin so dankbar für alles, was ich erleben durfte, für alles was ich lernen durfte und auch vor allem für die tollen Menschen, die ich kennenlernte und mit denen ich Freundschaften schloss. Mein Wissen kann ich nun mit Euch teilen, und darauf freue ich mich schon sehr!

Übrigens könnt auch ihr Teil dieser Sache werden. Der 2°Campus findet jedes Jahr statt! Die Bewerbungsfrist ist dieses Jahr leider schon abgelaufen, doch ich bin mir sicher, dass die Jury bereits auf eure Bewerbungen im nächsten Jahr gespannt ist.

Lena Marie Schulz, 12/2

Foto: Susanne Stolle am 11.12.19, Blick von der Kunstetage