75 Jahre ist es nun her, dass das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit wurde. So könnte man meinen, die schrecklichen Ereignisse zur NS-Zeit scheinen im Jahr 2020 unendlich lange her. Doch bei einer Besichtigung der Gedenkstätte Auschwitz ist die Geschichte zum Greifen nah.

Eine Möglichkeit zu diesem Besuch hatten Zehnt- und Elftklässler im Rahmen der Krakau-Exkursion. Parallel zum Skilager und zur Chorfahrt fuhren die Schüler in Begleitung von Frau Rieprich und Frau Ohm nach Krakau und Umgebung. Neben der Besichtigung der Gedenkstätte Auschwitz standen auch eine Stadtführung, ein Besuch im Museum in der ehemaligen Schindler-Fabrik und ein Zeitzeugengespräch mit einer Frau, die als Kind mit ihrer Mutter aus dem Krakauer Ghetto floh, auf dem Plan.

In Vorbereitung auf die Fahrt hatte sich die Gruppe gemeinsam den Film „Schindlers Liste“ angesehen. Die verschiedenen Programmpunkte zeigten den Schülern denn auch einige Originalschauplätze, aber verknüpften die Besichtigung mit einem kritischen Blick auf den Film. Insbesondere im Museum in der ehemaligen Schindler-Fabrik wurde erklärt, dass der Film definitiv kein Dokumentarfilm ist und davon ausgeht, dass Oskar Schindler aus Mitgefühl schließlich zum Helden wurde und 1.200 Menschenleben rettete, obwohl dies nicht eindeutig bewiesen ist.

Der tatsächliche Rundgang in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau fand am Tag nach der Gedenkfeier zur 75-jährigen Befreiung des Lagers durch die Rote Armee statt. Die Führung dauerte mehrere Stunden, doch diese Zeit war auch nötig, um all die vielen Eindrücke mitzunehmen. Die Besichtigung begann im Stammlager, in welchem rund 70.000 Menschen zu Tode kamen. Beklemmend ist der Raum, in dem rund 80.000 Schuhe der ehemaligen Gefangenen ausgestellt sind. Durch solche Exponate wird es erst möglich zu erfassen, welches Grauen vor rund 75 Jahren dort geschah. Der zweite Teil der Führung fand auf dem ehemaligen Gelände von Auschwitz-Birkenau statt. Das Gebiet des einstigen Arbeits- und Vernichtungslagers beeindruckt durch seine enorme Größe. Mit bloßem Auge lässt sich nicht einmal das Ende des über 190 Hektar großen Geländes erkennen. Besonders erschreckend war der Besuch in der Baracke Nr. 16, in der ausschließlich Kinder zwischen 2 und 14 Jahren untergebracht waren.

Diese Eindrücke in Verbindung mit dem Zeitzeugengespräch machten deutlich, wie wichtig es ist, sich mit der dann doch jüngeren Geschichte unseres Landes auseinanderzusetzen und davon zu berichten. In Zeiten, wo Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass wieder zunehmend eine Rolle im gesellschaftlichen Diskurs spielen, ist es wichtig zu erinnern, wo das schon einmal hingeführt hat. Das kann niemand mehr wollen.

Lena Redlich, Jggst. 11